Frieden mit Mitchristen
Wenn erfahrenes Unrecht zum Segen wird

Wo Menschen zusammenleben, geschieht auch immer wieder Unrecht. Wir reden über andere, schätzen eine Person ein, auch wenn wir sie nicht gut genug kennen, und sind davon überzeugt, dass unsere Wahrnehmung der Realität und der Persönlichkeit dieses Menschen entspricht. Wer kennt das nicht? So können Gerüchte zur Wahrheit werden und im schlimmsten Fall hat dies persönlich oder beruflich gravierende Konsequenzen. Das passiert auch unter Christen. Wir haben es selber erlebt.
Gerade weil es für uns berufliche und persönliche Folgen hatte, empfanden wir das Unrecht entsprechend stark. Das Bedürfnis war sehr gross, uns zu rechtfertigen und zu verteidigen. Wir wünschten uns, dass Fehler eingesehen werden. Wir versuchten, uns zu rechtfertigen. Allmählich merken wir, dass diese Haltung weder Frieden noch Freiheit in uns schaffte. Wir hielten an unserer Meinung und Erwartung fest und standen dabei uns selber im Weg.
Langsam entdeckten wir, wie entscheidend es ist, den Prozess der Vergebung und des Loslassens völlig losgelöst vom Verhalten anderer zu gestalten, bis der Punkt erreicht ist, wo wir sagen können: Wir verzichten auf jegliches Recht, etwas einzufordern. Wir lassen andere völlig frei. Wahre Vergebung macht nichts mehr vom Verhalten anderer abhängig. Damit eröffnete sich der Weg in die Freiheit! Wir wurden frei von andern und andere wurden frei von unseren Forderungen nach Recht und Gerechtigkeit! Diese Freiheit und der damit verbundene Frieden ist viel mehr als ein wohliges Gefühl. Freiheit und Frieden sind direkt mit der Arbeit an sich selbst verbunden. Und gründliche Vergebung geschieht nicht schnell. Sie stellt sich auch der Trauerarbeit.
Auf unserem Weg der Vergebung wurden wir besonders dafür sensibilisiert, wie schnell wir im Alltag Leute bewerten, Gerüchten Glauben schenken und meinen, über Andere Bescheid zu wissen. Selber zu erfahren, welche Folgen das haben kann, üben wir nun bewusst und gezielt, nicht über andere zu reden und zu urteilen. Wir erkannten auch, wie schnell wir selbst durch unsere Einschätzungen an andern schuldig werden.
Natürlich hat diese Situation auch Fragen an Gott geweckt. «Wieso hat Er das zugelassen? Wo bleibt seine Gerechtigkeit?» Wir bekamen genauso keine Antwort wie die Menschen der Bibel, die diese Fragen auch gestellt haben. Eines aber wurde uns sehr deutlich bewusst: Er allein weiss im Einzelfall was wirklich Recht und Unrecht ist. Darum gilt es, ihm die Beurteilung ganz zu überlassen!
Heute schauen wir zurück und stellen fest: Ein Wunder hat sich ereignet! Wir wurden gerade auf diesem Weg reich beschenkt hat!
Manfred ist Theologe und Erwachsenenbildner FA und Katharina psychosoziale Beraterin (bcb). Sie haben vier Kinder und zehn Enkelkinder. Sie leiten seit 2004 die Stiftung «Impuls für xungs Läbe» und unterstützen und begleiten Menschen mit Beratung, Kursen und Gesprächskreisen.
